Sanyo Betamax-Videorekorder VTC 9300

Sanyo VTC 9300 Betamax Videorekorder
Sanyo VTC 9300 Betamax Videorekorder

Der Betamax-Videorekorder Sanyo VTC 9300 ist ein wahres Schwergewicht unter den Videorekordern und gehört zu den Geräten der ersten Generation von Videogeräten für das Kassettenformat Betamax. Dieses Gerät hier stammt aus einer Zeit Ende der siebziger Jahre (so um 1978/79 herum). Der Rekorder wiegt mehr als 19 kg und ist etwa 52 cm breit, 19 cm hoch und knapp 40 cm tief. Die Maße sind also ebenso markant wie das Gewicht des Gerätes. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal so einen schweren Videorekorder gehabt zu haben. Für sein Alter ist das Gerät allerdings noch in einem relativ guten Zustand. Natürlich gibt es entsprechende Gebrauchsspuren am Gehäuse des Sanyo VTC 9300. Funktionsfähig war er zu dem Zeitpunkt, als ich ihn bekam, natürlich nicht. Das Bild oben zeigt das Gerät in dem Zustand, in dem ich es erhielt.

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Hier sind die Anschlüsse hinten am Gerät zu sehen. Im linken Bereich befinden sich die Antennenanschlüsse (Antenneneingang und Antennenausgang) sowie der Schalter für das Testsignal. Der HF-Modulator ist in der Mitte des Gerätes unter einer durchsichtigen Kunststoffabdeckung zu sehen. Hier kann auch der Sendekanal eingestellt werden. Im rechten Bereich befinden sich Anschlüsse für Audio- und Videosignale (Eingänge und Ausgänge), Mikrofon, Kamera sowie eine Fernbedienung. Cinch-Steckverbindungen wurden hier allerdings noch nicht eingesetzt. Die Anschlüsse für die externe Kamera sowie die Audioanschlüsse sind in DIN-Buchsen ausgeführt. Etwas untypisch ist das Format des Videoeingangs und -ausgangs in Form von UHF-Buchsen.

Hier ist der Sanyo VTC 9300 von vorne zu sehen. Die Laufwerkstasten sind noch rein mechanisch ausgeführt, ganz im Gegensatz zu denen moderner Geräte aus folgenden Generationen. Das Bandzählwerk arbeitet aber bereits elektronisch. Die Digitalanzeige der Uhr kann auf die Anzeige des Bandzählwerks per Tastendruck umgestellt werden. Das Zählwerk besitzt sogar eine Speicherfunktion, sodass das Laufwerk beim Erreichen der Nullstellung automatisch stoppt. Auch eine Standbildfunktion besitzt das Gerät, was damals keineswegs zu den Standardfunktionen der Videogeräte gehörte. Die Kassette wird oben in das Gerät eingelegt; es handelt sich hier also um einen sogenannten Toplader.

Im linken Bereich der Gerätefront befindet sich die Uhr bzw. das elektronische Bankzählwerk. Die Gerätefunktion kann mithilfe eines Schalters im unteren Bereich eingestellt werden (an, aus und Timer). Die Aufnahmezeit kann mit dem linken Schiebeschalter eingestellt werden. Mit dem rechten Schiebeschalter kann ausgewählt werden, ob die automatische Videoaufnahme am Tag eins (dem aktuellen Tag), am nächsten oder übernächsten Tag oder auch täglich erfolgen soll.

Mit dem oberen Schalter kann eingestellt werden, ob das Ausgangssignal vom Antenneneingang oder vom Videoeingang kommen soll. Die Tasten für die Programmspeicher befinden sich direkt darunter. LEDs zeigen an, welcher Senderspeicher gerade ausgewählt wurde. Die Einstellung der Sendefrequenzen erfolgt über entsprechende Regler hinter einer Klappe. Es ist das gleiche Prinzip, wie es zur damaligen Zeit auch bei vielen Fernsehgeräten eingesetzt wurde.

Die Betamax-Videokassette wird von oben in das Gerät eingelegt. Die Kassetten sind übrigens deutlich kleiner als die des VHS-Videosystems. Nach dem Schließen des Deckels wird das Band der Kassette automatisch eingefädelt. Die restliche Steuerung des Laufwerks erfolgt dann über die mechanischen Laufwerkskasten.

Die obere Geräteabdeckung kann nach dem Lösen von sieben Schrauben abgenommen werden. Der Deckel für das Kassettenfach ist mit zwei Schrauben befestigt und kann für die Gerätewartung oder eine notwendige Reparatur ebenfalls recht einfach entfernt werden. Die Platinen auf der rechten und linken Seite sowie auf der Unterseite des Gerätes sind übrigens aufklappbar, was das Gerät sehr servicefreundlich macht. Im hinteren Bereich des Laufwerks sieht man die große Kopfeinheit für das Videoband. Vorne links ist der große Antriebsmotor zu sehen. Dieser Motor treibt alles an, was sich im Gerät bewegt und nicht durch die Tasten betätigt wird. Es ist also der einzige Motor des Videogerätes.

Die Videoköpfe des Sanyo VTC 9300 befinden sich auf einer Art Kopfscheibe, welche zwischen zwei Teilen der Kopftrommel drehbar angeordnet ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Videogeräten handelte sich also nicht um eine komplett drehbare Kopftrommel. Der drehbare Ring außen um der Kopfeinheit dient dazu, dass Videoband aus der Kassette herauszuziehen und um die Kopfeinheit zu legen.

Der Motor ist mit einem großen Lüfterrad ausgestattet. Da er das gesamte Laufwerk ganz alleine antreiben muss, hat er auch eine gute Lüftung nötig. Es handelt sich übrigens um einen direkt mit der Netzspannung betriebenen Asynchronmotor und nicht um einen Gleichstrommotor, wie diese in vielen späteren Videogeräten eingesetzt wurden.

Das ganze Laufwerk macht einen äußerst robusten und vor allem komplizierten Eindruck. Die Mechanik des Sanyo VTC 9300 ist wesentlich aufwändiger aufgebaut als bei moderneren VHS-Videogeräten.

Nimmt man die untere Geräteabdeckung ab, so sieht man erst einmal nur eine riesige Platine. Diese kann nach dem Lösen dreier Schrauben einfach aufgeklappt werden. Im Vordergrund sind die beiden Kunststofflager zu sehen. Unter der Platine wird dann die Mechanik des Laufwerks zugänglich.

Unten am Laufwerksmotor befindet sich ebenfalls ein großes Lüfterrad (oben links im Bild zu sehen). Der Antrieb der Laufwerksmechanik, des Schwungrades mit Capstan, des Bandtransportes sowie der Kopfscheibe erfolgt über mehrere Antriebsriemen. Diese sind trotz des Alters des Gerätes noch in einem relativ guten Zustand. Soll das Gerät allerdings noch verwendet werden, so müssen die Riemen trotzdem erneuert werden. Besonders der schnelle Vor- und Rücklauf funktionieren alles andere als gut. Die Riemen können übrigens nach der Abnahme des Lüfterrades sowie der Schwungmasse unten rechts relativ einfach ausgewechselt werden.

Hier ist die aufgeklappte Platine unter dem Laufwerk zu sehen. Die Verbindung mit der restlichen Elektronik des Sanyo VTC 9300 erfolgt über Steckverbindungen. Auf der Platine können auf verschiedene Einstellungen für die Elektronik vorgenommen werden.

Die Tastenhalterung für die Programmspeicher hat sich leider von der Frontplatte des Gerätes gelöst. Im Bild zu erkennen sind die brüchigen Kunststoffhalterungen. Die ganze Tasteneinheit kam mir schon beim Lösen der Frontplatte entgegen. Später habe ich die Tasteneinheit wieder an der Frontplatte befestigt.

Die Anzeigeeinheit für die Uhr und das Bandzählwerk war ebenfalls an der Frontplatte angeschraubt. Da ich das Gerät mit abgenommener Frontplatte in Betrieb nehmen wollte, habe ich die Einheit nach dem Ausbau mit dem Gerät verbunden. Sehr unauffällig angebracht ist der Trackingregler, der im unteren Bereich des Gerätes zu sehen ist.

Der Empfangsteil des Videogerätes befindet sich unter der aufklappbaren Platine im rechten Bereich neben dem Laufwerk.

Die Elektronik auf der linken Seite des Gerätes lässt sich nach dem Abschrauben einer Metallhalterung ebenfalls aufklappen. Auch hier sind zahlreiche Regler zu finden, die zur Einstellung der Elektronik dienen. Allerdings sollte hier nicht einfach wahllos herumgeschraubt werden.

Zum Wechseln der Antriebsriemen können die beiden Metallstreben einfach abgeschraubt werden.

Der Antriebsmotor des Sanyo VTC 9300 machte während des Betriebs entsetzliche Geräusche, sodass ich mich entschloss, diesen genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach der Abnahme der entsprechenden Antriebsräder und Lüfterräder konnte ich den Motor ausbauen.

Nach dem Ausbau habe ich den Motor zerlegt. Im hinteren Bereich ist das Motorgehäuse mit der Statorwicklung zu sehen. Der Läufer ist im vorderen Bereich des Bildes zu sehen. Er ist mit zwei Kugellagern der Größe 626 versehen. Diese waren komplett trocken gelaufen und somit verantwortlich für die Motorgeräusche. Ich habe die Lager mit neuem Fett versehen und den Motor anschließend wieder zusammengebaut. Die Motorwelle lässt sich nun wieder leicht und geräuschlos drehen.

Der Einbau des Motors erfolgte in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaus. Die Riemenräder sowie Lüftungsräder waren schnell wieder montiert und die Antriebsriemen aufgelegt. Nach einem ersten Probelauf stellte sich heraus, dass der Motor nun wieder einwandfrei und vor allem leise lief.

Der Metallrahmen, an dem die Gerätefüße befestigt wurden, war leicht verbogen. Möglicherweise ist das Gerät schon einmal zu grob behandelt worden, und die Halterungen haben sich aufgrund des hohen Gewichtes des Gerätes etwas verbogen. Dies sind allerdings nur Kleinigkeiten, die relativ schnell und einfach behoben werden können.

Zum Teil aus Neugier und zu einem anderen Teil aus Notwendigkeit entschloss ich mich nach einigem Zögern dazu, mir die Kopfeinheit etwas genauer anzusehen. Wie ich bereits erwähnte, besteht die Kopfeinheit nicht aus einer drehbaren Kopftrommel, sondern aus einer Art Kopfscheibe, welche zwischen zwei feststehenden Teilen der Kopfeinheit rotiert. In diesem Bild wurde der obere Teil der Kopftrommel abgenommen. Darunter zu sehen ist die Scheibe mit den zwei Videoköpfen. Dieses Teil sollte äußerst vorsichtig angefasst und wie ein rohes Ei behandelt werden. Die empfindlichen Videoköpfe können sehr schnell beschädigt werden.

Diese Detailaufnahme zeigt einen der beiden Videoköpfe. Es wird sehr schnell deutlich, wie leicht die Videoköpfe beschädigt werden können. Schaut man genauer hin, so erkennt man sogar die Spule, durch welche beim Abtasten des Videobandes eine geringe elektrische Spannung erzeugt wird.

Der Antrieb der Kopfscheibe erfolgt ebenfalls durch den großen Antriebsmotor. Dieser läuft mit einer von der Frequenz der Netzspannung abhängigen Drehzahl. Die Kopfscheibe muss jedoch in ihrer Drehzahl gegebenenfalls etwas angepasst werden. Aus diesem Grunde wurde an der Unterseite der Kopfeinheit eine Art magnetische Bremse angebracht, die elektronisch angesteuert wird und das Kopfrad auf die gerade notwendige Drehzahl herunterbremst. Nach einen ähnlichen Prinzip arbeitet übrigens die Drehzahlregelung des Philips LDL 1002, bei welchem das Kopfrad ebenfalls durch einen Wechselstrommotorangetrieben und durch eine solche magnetische Bremse heruntergeregelt wird.

Die Kopfeinheit mit abgenommener Kopfscheibe. In der Mitte zu sehen sind zwei Spulen, die zur induktiven Übertragung der Signale von den Videoköpfen zur Elektronik des Gerätes dienen. Nach Abnahme der Videoscheibe konnte die gesamte Kopfeinheit gründlich gereinigt werden. Man kann übrigens in der Mitte (direkt an der Welle) das Kugellager erkennen. Die Welle ist durch zwei Kugellager der Größe 626 gelagert.

Hier wurde die magnetische Bremse vom unteren Teil der Kopfeinheit abgenommen.

Das untere Kugellager für die Antriebswelle befindet sich unter einer abschraubbaren Abdeckung.

Hier ist das Kugellager genau zu sehen. Es hat, wie schon erwähnt, die gleiche Größe wie das obere Kugellager.

Die anderen beweglichen Teile des Laufwerks mussten natürlich auch gründlich gereinigt und mit neuen Schmiermitteln versehen werden. Dazu gehörten beispielsweise auch die Wickelteller sowie deren Antriebsräder. Trotz des Alters des Sanyo VTC 9300 sind die mechanischen Teile noch in einem relativ guten Zustand. Mit etwas Arbeit und ein paar neuen Antriebsriemen kann dieses Gerät wieder in einem funktionsfähigen Zustand gebracht werden.

Hier sind die Achsen für die Wickelteller zu sehen. An der unteren Seite sind diese übrigens auch mit Kugellagern versehen. Die Kassettenhalterung kann auf einfache Weise nach dem Lösen von vier Schrauben relativ einfach ausgebaut werden, sodass die Mechanik unter dem Schacht leicht zugänglich wird.

Alle (oder zumindest fast alle) beweglichen Teile wurden gereinigt und mit neuen Schmiermitteln versehen. Die Antriebsriemen habe ich noch nicht ersetzt, da mir hierzu noch die passenden Ersatzteile fehlen. Das Laufwerk funktioniert soweit; lediglich das Umspulen will noch nicht so ganz.

Beim näheren Betrachten der Netzteilelektronik fiel mir auf, dass hier schon einmal eine Reparatur vorgenommen wurde. Der Transistor im Bild entspricht nicht mehr dem Original. Man kann auch deutlich erkennen, dass hier bereits gelötet wurde.

Die Leiterbahnen auf der Platine wurden offensichtlich schon einmal wegen defekter Bauteile etwas heiß und mussten in einer früheren Reparatur durch einen unbekannten Techniker daher mit entsprechenden Drahtbrücken überbrückt werden.

In diesen Bild ist das Gerät bei einem ersten Probelauf zu sehen. Ich habe statt einer Betamax-Videokassette zwei Spulen aus einer VHS-C-Videokassette genommen und das Band von Hand eingelegt. Spulen aus einer herkömmlichen VHS-Kassette konnte ich nicht nehmen, da diese zu große Durchmesser besitzen.

Hier ist das Videogerät während einer Probeaufnahme zu sehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte es bereits eine knappe halbe Stunde gelaufen. Die Aufnahme funktionierte übrigens einwandfrei.

Nach dem Einbau des Kassettenfaches und der entsprechenden Abdeckung habe ich natürlich noch weitere Probeaufnahmen und Probeläufe mit richtigen Betamax-Videokassetten durchgeführt. Außerdem konnte ich nun endlich auch die Aufnahmen des an anderer Stelle vorgestellten Betamax-Camcorder kontrollieren. Dieses Gerät hier funktioniert soweit sehr gut. Lediglich das Zurückspulen der Videobänder läuft noch etwas zögerlich. Nach dem Austausch eines Antriebsriemens dürfte dieses Problem allerdings behoben sein.

Als der Sanyo VTC 9300 auf dem Markt war, bekam man tatsächlich noch jede Menge für sein Geld. Der robuste Aufbau des Gerätes sorgte dafür, dass der Videorekorder bis auf ein paar Schwächen beim Umspulen der Betamax-Videokassetten noch recht gut funktioniert. Es ist eine langlebige und durchaus robuste Technik, die hier geschaffen wurde. Allerdings möchte ich dieses Gerät nicht über längere Strecken transportieren. Gemessen an dem Gewicht heutiger Geräte kann dieser Videorekorder als richtiges Schwergewicht bezeichnet werden.

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