Bandstreamer mit Bändern aus den 90ern

Archive Model 31250Q

Heutzutage ist doch vieles einfacher geworden. Dazu zählt auch die Datensicherung, die jeder mit seinem Computer immer mal wieder durchführen sollte. Man nehme einfach eine CD oder DVD, eine externe Festplatte oder einfach einen USB-Stick und speichere die wichtigen Daten darauf ab, falls im Falle eines Supergaus die Daten auf der internen Festplatte des Rechners einmal verloren gehen sollten. Die Daten können mithilfe der externen Datenträger innerhalb von wenigen Sekunden oder Minuten wieder auf den Rechner kopiert werden. Vor mehr als 20 Jahren jedoch sah dies jedoch noch etwas anders aus. CD-Brenner oder gar DVD-Brenner gab es noch nicht; zumindest waren CD-Brenner für Privatanwender meist noch unerschwinglich. USB-Sticks mit entsprechend hohen Speicherkapazitäten waren ebenfalls nicht in der Form verfügbar, wie wir dies heute kennen.

 

Es gab damals nur wenige Möglichkeiten, um Daten auf externen Datenträger zu speichern. Ein gutes Beispiel hierfür ist die gute alte Diskette, die heute kaum noch, besser gesagt, so gut wie gar nicht mehr verwendet wird. Eine andere Möglichkeit stellten in den Neunzigern Bandlaufwerke wie das oben abgebildete dar, die sowohl in den Computer eingebaut werden konnten als auch mit externen Gehäuse verfügbar waren. Diese Streamer bzw. Bandstreamer konnten immerhin schon Datenmengen von bis zu mehreren 100 Megabyte auf einem Datenträger abspeichern, was in den Neunzigern schon recht viel war. Bei dem Brandstreamer oben im Bild handelt es sich um ein damals gängiges Modell, welches Medien mit einer Speicherkapazität von 120 Megabyte unkomprimiert bzw. rund 250 Megabyte komprimiert beschreiben und wieder auslesen konnte. Heute werden diese Geräte nur noch vereinzelt eingesetzt, und wenn doch, dann mit wesentlich höheren Speicherkapazitäten. Bandstreamer gelten heute als überholt und viel zu langsam. Genauso ist es auch mit diesem Exemplar hier, das vom Hersteller Archive stammt und in einen freien 3,5-Zoll-Schacht des Computers eingebaut werden konnte. Ähnliche Geräte gab es natürlich auch für die 5 ¼ Einbauschächte des Computergehäuses.

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Ich fand eines dieser Bandlaufwerke in meinem Sammelsurium, das sich dort schon für etliche Jahre befunden haben musste. Zusammen mit dem Bandstreamer waren knapp 30 Bänder eingelagert, die noch irgendwelche Daten aus den Neunzigern enthielten. Um einmal festzustellen, ob das Laufwerk und vor allem auch die Datenträger noch funktionierten, wollte ich den Streamer noch einmal in Betrieb nehmen. Mit einem halbwegs modernen Computer ist dies allerdings leichter gesagt als getan. Weder Windows XP noch neuere Betriebssysteme konnten etwas mit dem Gerät anfangen. Auch neuere Computerhardware wie beispielsweise Mainboards mit Pentium 4 oder noch neueren Prozessoren waren nicht in der Lage, das alte Bandgerät zu erkennen, um die Kassetten auszulesen. Es musste tatsächlich ein altes Pentium-3-Mainboard herhalten, um den Bandstreamer überhaupt in Betrieb nehmen zu können. Als Betriebssystem setzte ich das gute alte Windows 98 ein. In dem kleinen Bild zu sehen ist der fliegende Testaufbau der alten Computerhardware. Die Treiberinstallation des Streamers unter Windows 98 klappte problemlos. Er wurde sofort nach dem Hochfahren des Rechners erkannt, und die passenden Treiber wurden automatisch installiert. Ich musste nur noch die Windows eigene Backup-Software installieren, und schon konnte es mit dem Auslesen der Bänder losgehen, zumindest theoretisch.

Allerdings hatte ich die Rechnung ohne die alten Bänder gemacht. Bei weitem nicht alle davon konnten ausgelesen werden, da einige Kassetten inzwischen kaputt waren. Im Bild zu sehen ist eine der defekten Kassetten. Der kleine Hilfsantrieb in Form eines flexiblen Bandes ist oben im Bild zu sehen. Bei dieser Kassettentechnik werden nicht die Bandspulen selbst angetrieben. Der Antrieb der Mechanik erfolgt über das kleine schwarze Rad unten in der Mitte der Kassette. Dieses kleine Rad wird vom Laufwerk angetrieben. Mithilfe eines Antriebs, der über das Rad zwischen den Spulen hindurch und über die beiden weißen Umlenkrollen im oberen Bereich der Kassette läuft, werden die eigentlichen Bandspulen angetrieben, sodass das Band mithilfe eines Schreib-Lesekopfes beschrieben und ausgelesen werden kann, der über eine kleine Klappe links unten in die Kassette hineinragt. Die kleine Klappe wird beim Einlegen der Kassette in das Laufwerk automatisch geöffnet. Es handelt sich übrigens um die sogenannten Data-Cartridges nach dem QIC-Standard. QIC heißt soviel wie „Quarter-Inch-Cartridge“, also eine Kassette mit einem ¼ Zoll breiten Band. Diese Kassette hier ist eine QIC-80-Kassette mit einer Speicherkapazität von etwa 120 Megabyte und einer Datenrate von knapp 63 Kilobyte pro Sekunde.

Hier sind einige dieser Kassetten zu sehen, die uralte Daten aus den Neunzigern enthalten. Leider konnten nur wenige dieser Kassetten ausgelesen werden. Da die meisten Bandkassetten komplett beschrieben waren, dauerte das Auslesen etwa 20 Minuten pro Kassette, wenn alles einwandfrei lief. Allerdings traten bei vielen der Exemplare Lesefehler auf, die erst nach einigen Durchläufen korrigiert werden konnten, wenn überhaupt. Zum Teil konnten die Kassetten bei einer Laufdauer von etwa einer Stunde komplett ausgelesen werden.

Hier im Bild zu sehen ist ein zerlegte Bandstreamer eines anderen Herstellers, der sich ebenfalls noch in meinem Fundus befand. Man kann deutlich den großen Kopf erkennen, der das Band beschreibt und ausliest. Ebenfalls gut zu sehen ist der Antriebsmotor links unten und der eigentliche Bandantrieb in der Mitte des Laufwerks, der das eben erwähnte schwarze Antriebsrad in der Kassette mithilfe eines Reibrades mit einem Belag aus Gummi antreibt. Die Kassetten werden übrigens in mehreren Spuren beschrieben und nachher wieder ausgelesen. Der Schreib-Lesekopf des Laufwerks wird beim Einstellen der entsprechenden Spur etwas hoch oder runtergefahren. Nach einem Durchlauf des kompletten Bandes wird der Kopf etwas bewegt und die nächste Spur beschrieben bzw. gelesen.

Hier ist die Windows eigene Backup-Software während des Initialisierens einer der Kassetten zu sehen. Sowohl beim Schreiben der Bänder als auch beim Auslesen wird natürlich stets aktuelle Fortschritt angezeigt. Vor dem eigentlichen Auslesen wird das Inhaltsverzeichnis des jeweiligen Bandes angezeigt. Der Benutzer kann außerdem auswählen, ob die kompletten Datensätze oder nur ein Teil davon wieder auf der Festplatte des Rechners abgespeichert werden sollen. Die alte Technik ist natürlich sehr langsam und ganz sicher nicht mehr zeitgemäß. Heute werden etliche Gigabyte innerhalb von wenigen Sekunden auf externe Datenträger gespeichert oder wieder von diesen ausgelesen. Damals kam es schon einer größeren Aktion gleich, Datenmengen von einigen 100 Megabytes auf externen Datenträgern zu sichern. Auch wenn einige der Bänder nicht mehr ausgelesen werden konnten, gilt die Technik der Bandstreamer dennoch als relativ sicher. Voraussetzung für eine sichere Datenspeicherung ist natürlich, dass die Bänder auch ordnungsgemäß gelagert werden, was sicherlich nicht immer der Fall ist.

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